Ein Abschluss und ein Neustart Omavaraniemi ist nun Kylmäniemi
Es war lange Zeit still auf diesem Kanal. Dieser Blog war immer ein wichtiger Teil für mich und möchte ihm nach dieser herausfordernden Zeit endlich wieder die Aufmerksamkeit schenken, die er verdient. Viele von euch Wissen es bereits. Seit Anfang dieses Jahres führe ich dieses Projekt hier in Finnland alleine weiter. Ich möchte hier mit euch teilen, was seither passiert ist und wie es mit dem Projekt weiter geht. Die letzten Monate und auch Jahre waren eine sehr intensive, lehrreiche und oft auch herausfordernde Zeit.
Wenn man einen solchen Umbruch erlebt und plötzlich alleinverantwortlich für ein solches Projekt steht, müssen gewisse Strukturen zwangsläufig an die vorhandenen Ressourcen angepasst werden, damit Körper und Geist nicht ausbrennen.
Schon im Februar habe ich eine Firma gegründet die von nun an für dieses Projekt steht. Glücklicherweise gibt es in Finnland verschiedene Organisationen, die Jungfirmen in ländlichen Gegenden unterstützen. Sei es mit kostenloser Beratung oder finanziellen Start- und Investitionshilfen. Dafür bin ich sehr dankbar. Die grösste Herausforderung ist und bleibt aber weiterhin das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung. Vermutlich weiss jeder Selbstständige, wie schwer es ist, diese Balance zu halten. Besonders wenn noch gewisse tägliche Strukturen vorgegeben sind und so wichtige Projekte verlangsamt werden. Bis Mitte April waren die beiden Hunde Najuk und Wilma noch auf dem Hof, bevor sie ebenfalls die Reise in die Schweiz angetreten haben. Obwohl ich die Gesellschaft der Hunde sehr geschätzt habe, waren sie doch auch sehr zeitintensiv. Gleichzeitig sollte nämlich nicht nur Mökki Riihiniemi so schnell wie möglich fertiggestellt werden, damit es noch im Sommer vermietet werden kann, sondern auch Bäume gefällt, Tiere versorgt, Buchhaltung eingerichtet, und das Sommerhalbjahr vorbereitet werden. Um dabei auch noch das Geschehene verarbeiten zu können, gesund zu essen und Sport zu machen, musste ich wieder neu lernen, Nein zu sagen und mir in Erinnerung rufen, dass ich die vorhandene Energie nun selbst einteilen darf. Das Mökki Riihiniemi wurde Anfang Juni auf Airbnb freigeschaltet und steht seit diesem Sommer für Urlauber zur Verfügung. Dabei musste ich ein paar Kompromisse eingehen, welche nun aber Schritt für Schritt beseitigt werden.
Analyse und Anpassung
Anders als in den vergangen Jahren hatte ich dieses Jahr keine Helfer von der Plattform Workaway. Auch wenn es schön sein kann, solche Besucher zu haben, weiss man meistens nicht genau ob diese überhaupt hilfreich sind und man muss sehr oft Grenzen setzen und diese verteidigen, besonders weil sie bisher ein sehr starker Teil der Hoffamilie waren.
Dies kann sehr anstrengend sein. Nur wenige hatten die Möglichkeit, sich kurzfristig zu melden, falls sie in der Nähe sind. Und auch dann nur für kurze Aufenthalte.
Glücklicherweise hatte ich in diesem Sommer aber Besuch von Freunden, die mir sehr viel geholfen haben und grösstenteils eigenständig waren. Diese Eigenständigkeit wird für die Aufnahme zukünftiger Workawayer auch entscheidend sein.
Als die Ziege Zara diesen April, Junge bekommen, und kurz darauf wegen einer schweren Krankheit eingeschläfert werden musste, habe ich schweren Herzens entschieden das Thema Ziegen vorläufig zu beenden. Die Gruppenzusammenstellung und die damit zusammenhängende Weidesituation wäre ohne grössere Umbauten nicht machbar gewesen. Obwohl ich es versucht habe, hat mir der Ziegenbock Tamezon meine Grenzen (und die der vorhandenen Zäune) klar aufgezeigt.
Glücklicherweise habe ich für alle Ziegen ein schönes Zuhause gefunden.
Auch die Enten habe ich von 19 auf 7 Stück reduziert, da der Verkauf der Enteneier sehr aufwendig ist und kaum die Kosten für die Fütterung deckt. Ich werde ab sofort nur noch Bruteier und, wenn möglich, junge Enten aus Naturbrut verkaufen.
Die Schafe sind nach wie vor ein wichtiger Teil dieses Hofes. Ich habe eine tolle Person gefunden, welche die Schafschur für mich übernimmt.
Auch die Bienen sind und bleiben ein wichtiger Bestandteil und werden kontinuierlich ausgebaut.
Leider war der Sommer dieses Jahr sehr schlecht, sodass der wenige geerntete Honig zu feucht für den Verkauf oder eine dauerhafte Lagerung war. Ich konnte die Volksanzahl dafür verdoppeln und habe jetzt 6 starke Völker.
Ich erwarte, dass ich euch nächstes Jahr mit feinstem finnischem Honig versorgen kann.
Eine weitere Anpassung betrifft den Garten des "neuen" Permakulturprojektes.
Um meine Zeit in diesem Jahr zu schützen, wurde neben den Kartoffelfeld nur das Gewächshaus angepflanzt. In Zukunft wird der Garten Stück für Stück so ausgebaut und umgeformt, dass er meinem Rücken gerecht wird und es organisatorisch einfacher wird.
Auf dieses Projekt freue ich mich sehr und ihr dürft gespannt sein, was sich dort entwickelt.
Die grösste Veränderung wird es aber an einem anderen Ort geben.
In den letzten Jahren habe ich schon Erfahrungen gesammelt für die eigene Holzproduktion.
Dieses Jahr wurde nicht nur mehr Holz geschnitten und verarbeitet als sonst, sondern es entsteht gerade auch ein Raum in dem ich dieses Holz im Winter mit warmen Füssen verarbeiten kann, um euch wunderschöne und einzigartige Holzwaren anbieten zu können.
Als Erweiterung dessen, dürft ihr auf weitere, grössere Holzprojekte gespannt sein.
Eine harte aber wichtige Entscheidung schloss den Umbruch ab. Wegen grossen Sicherheitslücken habe ich entscheiden ein neues Instagram Profil zu erstellen. Dabei habe ich auch gleich ein gleichnamigs Facebook Profil erstellt. Da ich sowieso schon länger mit dem Gedanken gespielt habe, habe ich dem neuen Profil, und somit dem Projekt, auch einen neuen Namen gegeben.
In der Nähe von Valtimo gibt es die Omavaraopisto. Eine "Hochschule" für Selbstversorgung welche von einen gemeinnützigen Verein geleitet wird. Leider war uns das bei der Namenswahl nicht bewusst. Da es mit dem bisherigen Namen Omavaraniemi immer wieder zu Verwechslungen oder Verwirrungen gekommen ist habe ich mich dazu entschieden dem Projekt einen neuen Namen zu geben.
Kylmäniemi ist nicht nur der Flurname dieses Ortes sondern auch der Name der angrenzenden Strasse. In Finnland sind Flurnamen sehr wichtig und wenn ich jemandem sagen möchte wo ich wohne, weiss jeder wo Kylmäniemi ist. Ausserdem ist die Selbstversorgung nicht das zentrale Ziel dieses Projektes. Vielmehr geht es um ein nachhaltiges Leben und das Verwenden von vorhandenen und erneuerbaren Ressourcen. Ebenso wichtig ist es mir Pflanzen und Tiere zu fördern, die mit den klimatischen Bedingungen dieses Ortes zurechtkommen. Kylmäniemi ist heute nicht mehr dasselbe wie noch vor einem Jahr. Es ist echter, geerdeter, ruhiger und viel mehr im Einklang mit dem, was dieser Ort und ich brauchen. Ich freue mich darauf, euch in den kommenden Monaten mitzunehmen, von den Fortschritten zu berichten und dieses neue Kapitel Schritt für Schritt mit Leben zu füllen.
Schön, dass ihr mit dabei seid.




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